

„La vacca nonesa“ oder „Zu Besuch im Nonstal“
Wenn die Eisenbahnfreunde des Geschwisterclubs im Südtirol einladen, dann lohnt es sich allemal früh aufzustehen!
Mitglieder des „Club engiadinais dals amihs da la viafier (CEAV) fanden sich vor wenigen Tagen von nah und fern in
Samedan ein, wo sie der Reiseleiter Gerhard Meister willkommen hiess. Das erste Etappenziel Schlanders (Südtirol) war
schnell erreicht und die Freunde des regionalen Clubs fanden sich ebenso zahlreich ein.
Da die Vinschger Bahn, dieses Jahr noch nicht zur Verfügung steht (sie befindet sich im Wiederaufbau), wurde die Reise
bis Trento (Trient) mit dem Bus fortgesetzt. Eisenbahnfreunde haben ihre eigenen Prioritäten. Für ein Mal liessen sie die
anmutige Stadt Trento (Trient), die durch das Konzil Berühmtheit erlangte,‚links liegen’ und wandten sich dem historischen
Bahnhof zu, wo sich die Modellbahnfreunde des „Pocher-Clubs“von Trient eingerichtet haben. Ihre Modellbahnanlage ist
wahrlich ‚etwas vom Feinsten’! CEAV-Präsident Marcus Buess konnte bei dieser Gelegenheit die beiden Clubs von
Schlanders und Trient für das kommende Jahr ins Engadin einladen.
Entsprechend der Devise ‚so viel wie möglich den Oeffentlichen Verkehr zu benützen’, genossen, die Eisenbahnfreunde
die Fahrt mit der knapp 70 Kilometer langen Regionalbahn Trento-Malé-Marilleva.. Die spurtstarken Regionalzüge fahren mit
hohem Tempo (bis 100 km/h) durchs liebliche Trientiner Hinterland, entlang einem Stausee, ins Umfeld von Madonna di Campiglio.
Erst vor wenigen Jahren wurde die Bahn um 10 Kilometer im Val di Sole verlängert und heute ist gar eine weitere Verlängerung,
bis zum Fusse des Tonalepass, geplant. Noch fehlen einige entscheidende Kilometer bis Tirano. Ob dereinst eine Rundreise durch die Brentadolomiten, gepaart mit dem Bernina-Express, einst durchführen lässt?! Sicherlich eine angenehme Perspektive!
Wie manche der Regionalbahnen der Region ist auch die Nonstalbahn vor hundert Jahren überwiegend aus strategischen Gründen
(„Ortler Front“ des Ersten Weltkriegs) gebaut worden. In der Zwischenkriegszeit diente sie der Erschliessung des Hinterlands, war
schliesslich in den 1950Jahren recht heruntergekommen. Spöttisch nannten sie Benützer „Nonsberger Kuh“.
Um 1960 wurde die Bahn umfassend erneuert. Durch Neutrassierung und Modernisierung erzielte man eine hohe Reisegeschwindigkeit.
Auch kam Rollmateral der aufgelassenen Dolomitenbahn zum Einsatz, das seinerzeit für die Olympiade in Cortina d’Ampezzo angeschafft
worden ist. Entsprechend den hohen Anforderungen stehen heute hochmoderne Pendelzüge im Einsatz. Wahrlich eine Erfolgsgeschichte!
Ein herzliches Dankeschön der Direktion und dem engagierten Personal dieser Bahn.
Eine Stärkung war angesagt und bereits wurden viele Eindrücke verarbeitet und das Gesellige gepflegt. Nach der Rückfahrt über
den Gampenpass, kehrt die gut gelaunte Schar in einem lauschigen Keller ein. Der Kreis schloss sich dann in Schlanders.
Herzlichen Dank den Schlanderser Freunden für Gastfreundschaft und ein tolles Programm! Auf Wiedersehn 2005 im Oberengadin!
Text Marcus Buess